33 Tage in 2006

33 TAGE in 2006 – 15.07.2006 – Tagesbuch aus dem zweiten Libanonkrieg

Heute vor acht Jahren begann der zweite Libanonkrieg – in dem Israel ohne Grund und Verstand den Zedernstaat in die Steinzeit zurück bombte und gezielt zivile Ziele angriff – ich werde an dieser Stelle nun ein Erinnerungstagebuch führen: 33 TAGE in 2006 – 15.07.2006

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Montag – 24.Juli 2006

  • Israelische Truppen sind in die Umgebung des südlibanesischen Grenzdorfs Bint Dschubail vorgestoßen. Sie lieferten sich heftige Gefechte mit Hisbollah-Kämpfern. Ein Miliz-Sprecher in Beirut bestätigte „schwere Kämpfe mit Schnellfeuergewehren und panzerbrechenden Waffen“.[60] Die israelische Armee vermute mehrere hundert Hisbollah-Kämpfer in der Stadt, sagte Generalstabschef Dan Chalutz am Montag in Tel Aviv. Die Hisbollah bestätigte auch die israelische Eroberung des Grenzortes Marun al-Ras.
  • Beim Absturz eines IAF-Hubschraubers in Israel nahe der Grenze zum Libanon sterben zwei Soldaten. Die Hizbollah behauptet, den Hubschrauber abgeschossen zu haben.
  • Der libanesische Präsident Émile Lahoud hat das israelische Militär beschuldigt, bei seiner Offensive im Libanon auch Phosphorbomben zu benutzen. Die israelische Armee wies die Anschuldigungen zurück. Mit den in Libanon eingesetzten Waffen verletze das Militär keinerlei internationale Normen, sagte eine Sprecherin.

Sonntag – 23. Juli 2006

  • Der syrische Informationsminister Mohsen Bilal äußerte sich in einem Interview mit der spanischen Zeitschrift ABC zu der eventuell anstehenden israelischen Offensive im Südlibanon und kündigte an, dass Syrien dann aktiv in den Konflikt eingreifen wolle. Nach seinen Worten kann es zu einer Intervention Syriens kommen. „Aber wenn die israelischen Truppen uns [Syrien] provozieren, wird Damaskus handeln, um die nationale Sicherheit des syrischen Territoriums zu garantieren.“
  • Gegenüber dem deutschen Bundesminister des Auswärtigen Frank-Walter Steinmeier meinte der israelische Verteidigungsminister Amir Peretz, dass Israel eine durch die NATO geführte UN-Schutztruppe mit umfassenden Mandat im Südlibanon akzeptieren könne. Diese Schutztruppe müsse die Hisbollah in Abstand zu Israel halten können. Der israelische Ministerpräsident Olmert begrüßte ebenfalls den Einsatz einer internationalen Friedenstruppe, die er sich unter der Leitung der Europäischen Union vorstellen könnte.

Samstag – 22. Juli 2006 

  • Demonstration gegen den Libanonkrieg am 22. Juli in Bremen. 250 GUS-Bürger wurden mit drei Maschinen aus dem Libanon ausgeflogen und sind in Moskau eingetroffen.
    Im Verlauf des 22. Juli zerstörte die israelische Luftwaffe mehrere Fernseh- und Mobilfunk-Sendeanlagen in Fatka und Terbol, wovon vor allem die LBC und der Hisbollah-nahe Fernsehsender Al-Manar betroffen waren.
  • Am Nachmittag rückte die israelische Armee nach israelischen Angaben mit schwerem Gerät und rund 2.000 Soldaten in den Südlibanon vor, nachdem bereits in den Tagen zuvor kleinere Truppenteile wiederholt auf libanesischem Gebiet Stellungen der Hisbollah angegriffen hatten. Benni Gantz, der Kommandeur der Bodentruppen, meldete die Einnahme der Stadt Marun al-Ras, was von libanesischer Seite aber bestritten wurde. Dort hieß es, die israelischen Truppen seien nur einige hundert Meter in den Libanon vorgerückt. Marun al-Ras liegt etwa 1,4 Kilometer von der Grenze zu Israel entfernt. Die Hisbollah erklärte, bei den Kämpfen um den Ort seien etwa 20 israelische Soldaten getötet oder verwundet worden.
  • Die Hisbollah feuerte über 100 Raketen auf Israel ab. Dabei wurden in mehreren Ortschaften mindestens vier Menschen zum Teil schwer verletzt, wie die Polizei und Sanitäter in Israel mitteilten.
  • Nach einem Bericht der New York Times hat Israel die Vereinigten Staaten um die Lieferung von Präzisionsbomben ersucht. Das Land forderte die Waffen nach dem Beginn seiner Luftangriffe auf Ziele der schiitischen Hisbollah-Miliz im Libanon an, berichtete die Zeitung am 22. Juli 2006.
    US-Außenministerin Condoleezza Rice bezeichnete die Kämpfe im Libanon als „Geburtswehen eines neuen Nahen Ostens“.

 

Freitag – 21.Juli 2006

  • Israel hat die libanesische Bevölkerung südlich des Litani aufgefordert, das Gebiet zu verlassen, da eine Bodenoffensive geplant sei. In dem Bereich leben etwa 250.000 Menschen.
  • Der libanesische Verteidigungsminister Elias Murr kündigte an, dass die libanesische Armee ihrem Verteidigungsauftrag nachkommen und den Libanon gegen eine Bodenoffensive Israels verteidigen werde. Bis zu diesem Zeitpunkt verteidigte sich die Armee des Libanon nur, wenn sie selbst angegriffen wurde.
  • Eine internationale Juristengruppe warf Israel und der Hisbollah vor, bei ihren jüngsten Kämpfen Kriegsverbrechen begangen zu haben. Israels „unverhältnismäßige und wahllose“ Gewaltanwendung durch Luftangriffe auf zivile Ziele im Libanon komme einer Kollektivstrafe gleich, erklärte die Internationale Juristenkommission. Eine Kollektivstrafe ist laut Völkerrecht ein Kriegsverbrechen. Der Raketenbeschuss nordisraelischer Städte durch die Hisbollah könne als Verletzung des humanitären Völkerrechts betrachtet werden, weil die Genfer Konventionen zum Schutz der Zivilbevölkerung in Konflikten auch für bewaffnete Gruppen Geltung hätten.
  • Israel beschuldigt Syrien vor dem Weltsicherheitsrat, dass es die Entführung israelischer Soldaten durch Hisbollah-Milizen angezettelt habe, um vom iranischen Atomprogramm abzulenken. Der israelische UNO-Botschafter Dan Gillerman sagte am Freitag in New York, dass es einen schriftlichen Beweis für diesen Hergang gebe.

 

Donnerstag – 20. Juli 2006

  • Balustrade eines am 20. Juli 2006 zerstörten Hauses in Beirut. Die israelische Luftwaffe hat nach Angaben einer Armeesprecherin in der Nacht 23 Tonnen Bomben auf einen Bunker abgeworfen, um den Anführer der Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, zu töten, der sich Geheimdienstberichten zufolge in dem Bunker aufhielt. Die Hisbollah wies den Bericht als „völlig falsch“ zurück, es hätte sich um eine im Bau befindliche Moschee gehandelt.
  • Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor, hat Deutschland und die Europäische Union aufgefordert, bei der Freilassung der entführten israelischen Soldaten zu helfen.
  • Bei Gefechten zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Hisbollah im Süden des Libanon bei Moschav Avivim sterben vier Soldaten der israelischen Streitkräfte, fünf weitere werden verwundet.
  • Gegen Mitternacht stoßen nahe der libanesischen Grenze zwei Apache-Hubschrauber der israelischen Luftwaffe zusammen. Bei dem Unfall stirbt ein Pilot, drei weitere werden zum Teil schwer verletzt. Der Zusammenstoß trug sich in der Umgebung der israelischen Stadt Kirijat Schmonah zu.
    In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli trafen in der südtürkischen Hafenstadt Mersin mehrere Schiffe mit ausländischen Bürgern ein, die aus dem Libanon über den Beiruter Hafen evakuiert wurden. Unter den zahlreichen Flüchtlingen befinden sich unter anderem auch mexikanische, spanische und rund 900 kanadische Staatsbürger. Sporthallen wurden in Unterkünfte für die Evakuierten umfunktioniert. Viele reisten gleich weiter mit dem Bus nach Istanbul oder nach Adana, wo sich der nächstliegende Flughafen befindet.

 

Mittwoch – 19. Juli 2006

  • Irans Botschafter im Libanon Mohammad-Reza Sheybani trifft sich mit dem libanesischen Präsident Émile Lahoud. Thema des Treffens war die Frage, inwieweit der Iran dem Libanon bei den Angriffen durch Israel helfen kann. Der Iran spricht von einem Krieg gegen Israel zur Befreiung des palästinensischen Volkes.
  • Beim Eindringen von Bodentruppen in den Libanon kam es zu direkten Gefechten mit der Hisbollah. Dabei sollen zwei israelische Soldaten ums Leben gekommen sein. Ein Augenzeuge berichtete, dass ein weiterer Soldat verschleppt worden sei.
  • Israel beschoss weiterhin Ziele im Süden, Osten und Norden des Libanons sowie die Innenstadt von Beirut. Die meisten der nach Behördenangaben mindestens 72 Todesopfer wurden unter den Trümmern ihrer Häuser begraben.

Dienstag – 18. Juli 2006

  • Israel setzt die Luftsangriffe fort. Dabei starben in einer Kaserne bei Beirut mindestens elf Soldaten, wie die libanesische Armee erklärte.
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt bekannt, dass im Libanon mehr als 400.000 Menschen auf der Flucht vor israelischen Luftangriffen sind. Die Organisation zur Koordination Humanitärer Angelegenheiten (Office for the Coordination of Humanitarian Affairs, OCHA) schätzt die Zahl der Flüchtlinge auf etwa 30.000.

 

Montag – 17. Juli 2006

  •  Am 17. Juli 2006 unterbreiteten UN-Vermittler der libanesischen Hisbollah einen Vermittlungsvorschlag, der die Militäraktionen in Nahost beenden soll. Dabei wurden sie von der EU unterstützt.
  • Bei weiteren israelischen Luftangriffen kamen im Libanon mindestens 33 Menschen ums Leben, davon mindestens 21 Menschen bei einem Angriff auf ein Dorf nahe dem südlibanesischen Hafen Tyrus. Erstmals griff die israelische Luftwaffe in der Innenstadt von Beirut an. Im Hafen von Beirut starben dabei nach libanesischen Angaben zwei Menschen.
  • Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge meldete der israelische Armeesender, Israel plane die Einrichtung einer Art Sicherheitszone im Libanon an der Grenze zu Israel. Es solle verhindert werden, dass sich Hisbollah-Kämpfer näher als einen Kilometer der israelischen Grenze näherten. Die Armee mit Planierraupen in den Süden Libanons sei mit dem Ziel vorgedrungen, verlassene Hisbollah-Stellungen zu zerstören und eine Sicherheitszone zu errichten.
    UN-Generalsekretär Kofi Annan und der britische Premierminister Tony Blair riefen dazu auf, internationale Truppen in die Region zu entsenden um die Angriffe aus dem Libanon auf Israel zu beenden.
  •  Viele europäische Staaten, sowie Marokko und die USA beginnen mit der Aussiedlung ihrer Staatsbürger. Die deutsche Bundesregierung wird bei der Aussiedlung der ungefähr 2.000 Bundesbürger durch die Fluglinie LTU unterstützt.Großbritannien begann mit der Operation Highbrow. Der italienische Zerstörer Durand-de-la-Penne brachte 345 Flüchtlinge verschiedener Nationalität von Beirut nach Larnaka.

Sonntag – 16. Juli 2006

  • Bei einem Angriff auf Haifa am 16. Juli 2006 wurden insgesamt neun Menschen durch Raketenangriffe getötet, davon acht, als ein Zugdepot getroffen wurde, wobei 23 weitere verletzt wurden.
  • Der Libanon warf unterdessen den USA vor, dass diese ein Statement des UN-Sicherheitsrates blockieren würden.
  • Auf dem Gelände der US-Botschaft in Beirut traf am Sonntag ein militärisches Vorauskommando ein, um die Abreise der Amerikaner vorzubereiten. Das Team sei mit Kampfhubschraubern aus Zypern eingeflogen, berichtete der US-Sender CNN.
  • Bei einem israelischen Angriff auf Aitarun wurden acht Kanadier libanesischer Herkunft getötet, die in den Ferien ihre Verwandten im Libanon besucht hatten. Dies teilte der kanadische Außenminister Peter MacKay im Fernsehsender CTV am Abend desselben Tages mit

 

Samstag – dem 15. Juli

  • Die israelische Armee weitet ihre Offensive im Libanon weiter aus. Beschossen wurden Straßen und Brücken im ganzen Land, die als Hochburg der Hisbollah geltenden südlichen Stadtteile und Vororte von Beirut (u. a. Haret Hreik), Treibstofflager wie das bei Sidon im Süden des Landes und die libanesischen Militärbasen bei Rayak im Osten und Koleyat im Norden des Landes. Neu waren Luftangriffe auf das Hauptwohngebiet der christlichen Maroniten, die als überwiegend antisyrisch und prowestlich eingestuft werden. Am Nachmittag wurden Hafenanlagen in der dicht mit Hochhäusern bebauten und nahezu ausschließlich von Christen bewohnten Bucht von Jounieh beschossen.
  • Nach Angaben des Militärs wurden bis zu diesem Zeitpunkt etwa 150 Ziele im Libanon angegriffen, von denen rund ein Dutzend in direktem Zusammenhang mit der Hisbollah stehen. Offiziell bestätigt wurde von libanesischer Seite, dass das Hauptquartier der Hisbollah in Beirut bei einem Luftangriff zerstört wurde. Auch wurde der Grenzübergang zwischen dem Libanon und Syrien bei Masnaa angegriffen. Dabei starben drei Menschen. Darauf folgende Berichte, dass Israel nun auch Syrien angegriffen habe, wurden von beiden Staaten dementiert. Die Hisbollah setzte ihrerseits ihre Raketenangriffe auf Städte im Norden Israels fort und traf dabei unter anderem Ziele in Tiberias.
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